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Sind Design Systeme die Monokulturen der digitalen Welt?

Ein Nachbericht zur Patterns Day 2019 in Brighton, UK.

Die Patterns Day ist eine Konferenz, die sich auf Design Systeme fokussiert. Die Talks richten sich daher in erster Linie an Entwickler und Designer, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Die Konferenz hat in einem 100 Jahre alten Kino stattgefunden, was zusätzlich für einen gewissen Charme sorgte – die perfekte Ergänzung zum auch sonst sympathischen und leicht verträumten Stadtbild von Brighton.

Warum Monokulturen?

Emil Björklund zitierte in seinem Talkauf der Patterns Day Rune Madsen, von dem die Hypothese stammt: Design Systeme könnten die Monokulturen für das Web sein. Diesen Trend kann man meiner Meinung nach aktuell schon erahnen, wenn man sich die verschiedenartigen, aber sehr ähnliche Produkte anschaut: Ein klarer Vorteil von Design Systemen ist der, dass User neue Produkte sofort verwenden können, da sich die Usability Patterns sehr ähneln. Zudem ermöglichen etablierte Design Systeme für Unternehmen eine Zeitersparnis in der Portfolio-Erweiterung und deren Umsetzung. Auf der anderen Seite wird aber der Joy of Use deutlich geringer. Der Joy of Use ist jedoch besonders wichtig für Unternehmen, die einer Vielzahl von Wettbewerbern mit mehr oder weniger identischen Produkten gegenüberstehen.

Aber auch andere Speaker versprachen eine spannende Konferenz: Den Eröffnungstalk hielt niemand geringeres als Alla Kholmatova. Wenn man sich mit dem Thema Design Systeme beschäftigt, führt kein Weg an ihr vorbei. Sie ist die Autorin des Buches Design Systems, das ich sehr empfehlen kann. In ihrem Talk ging es vor allem um bestehende Design Systeme. Sie hat sehr stark aus der Marketing/UX-Sicht argumentiert und deutlich gemacht, dass Design System-Updates durch Daten getrieben sein sollten. Um ein erfolgreiches Design System in einem Unternehmen zu etablieren – vor allem aber um den Return of Invest zu erhöhen – sollte im Idealfall mit validierten Daten gearbeitet werden und nicht mit Annahmen.

Emil Björklund und seine System-Theorie

Nach einigen Talks und vielen Informationen war mein persönliches Highlight der letzte Speaker des Tages: Emil Björklund beschäftigte sich mit System-Theorie, also fragte er sich: Wie funktionieren ökologische Systeme in sich und wo sind ihre Grenzen? Er hat das Thema sehr high level betrachtet und ist weniger auf Details eingegangen als die vorherigen Speaker. Die Essenz des Talks: Design Systeme sollte man als Prozess betrachten und sich nicht nur auf die Komponenten innerhalb des Systems konzentrieren. Wenn wir uns beispielsweise das Team hinter dem GOV.uk Design System anschauen: Dort arbeiten 13 Leute – Frontend-Entwickler, UI Designer und Content Designer – in Vollzeit, die das Ziel verfolgen, ein lebendes Produkt mit einer Roadmap, einem Backlog und Accessibility-Standards aufzubauen, das einem Ökosystem (25 Departments, 700+ Service Teams) dient.

Perspektivenwechsel unterstützt effizientes Arbeiten

Emil hat mir geholfen, mein persönliches Takeaway aus der Konferenz zu ziehen: Wenn man sich intensiv mit Themen beschäftigt, gerät schnell das Gesamtbild aus dem Blickfeld und man verliert sich zunehmend in Details. In der intensiven Arbeit mit Design Systemen verliert man schnell den Blick fürs große Ganze und trägt so zu einer monokulturellen Design-Landschaft bei. Dieses wertvolle Learning werde ich ab sofort in meinen Arbeitsalltag übernehmen. Denn wenn man an einem Punkt im Projekt angelangt ist, an dem man nicht mehr das große Ganze sieht, sondern nur noch Details, sollte man seinen Blickwinkel verändern. Mit dem Perspektivenwechsel ist es möglich, dem Projekt mit freiem Kopf zu begegnen – dadurch lassen sich Probleme identifizieren und lösen. So kann man wieder konzentriert und effizient arbeiten und das Projekt vorantreiben.

Die Patterns Day Konferenz war eine gute Möglichkeit, etwas Abstand vom Arbeitsalltag zu bekommen und neue, erfrischende Sichtweisen kennenzulernen – und dabei sein persönliches Mindset zu schärfen. Die Patterns Day ist eine rundum gelungene Konferenz mit vielen interessanten Einblicken in die Arbeit anderer Teams. Ich freue mich schon aufs nächste Mal.