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Die Rolle des Product Owner als besondere Herausforderung

In unseren agilen Teams liegt die Product Owner-Rolle auf der Kundenseite. Der Product Owner ist Teil des Teams, aber nicht Mitarbeiter:in bei sum.cumo.

In unserer Artikel-Serie möchten wir euch agiles Arbeiten bei sum.cumo näher bringen und zeigen, warum diese Methoden bei uns im Unternehmen nicht mehr wegzudenken sind. Mehr Informationen darüber, wann eine agile Arbeitsweise sinnvoll ist und welche verschiedenen Methoden unsere Denk- und Arbeitsweise prägen, könnt ihr auch im Artikel "Keep agile alive" nachlesen.

In diesem Beitrag möchten wir besonders auf die Chancen der modernen Zusammenarbeit durch kundenseitige Product Owner eingehen und wiederkehrende Fragen zu diesem Thema direkt aus der Welt schaffen:

  • Können agile Teams dabei nicht an Sicherheit verlieren?
  • Erzeugt die Entscheidung nicht zu viel Druck auf die Entwicklerteams?
  • Überschreitet dies nicht eine Grenze im Agilen Manifest*?
  • Hat man da nicht mit Unzufriedenheit zu tun?

Wir haben mit der externen Product Owner-Besetzung tatsächlich einfach losgelegt, ohne ein Beispiel dieser Form gekannt zu haben. Bis heute kennen wir immer noch kein vergleichbares Vorgehen aus anderen Unternehmen, möchten das aber gar nicht ausschließen. Daher ist es uns ein Anliegen, mit unserer jetzigen Erfahrung ein erstes Fazit für all unsere Partner zu ziehen, um Vorreiter für dieses Modell zu sein und die Vorteile zu verbreiten.

Der Weg ist das Ziel

In einem agilen Projekt teilen sich die Rollen Product Owner und Scrum Master das Projektmangement. Der Product Owner behält hierbei den strategischen Blick auf das Projekt, während der Scrum Master das Team operativ begleitet. Man kann sich die beiden also wie Fahrer und Beifahrer vor der Jahrtausendwende vorstellen, die mit einer Autokarte in den Händen des Beifahrers einen Ort aufsuchten. Der Beifahrer wäre hier der Product Owner. Die Rolle des Scrum Masters wird oft auch durch unsere Projektmanager:innen gelebt, die als Sparringspartner sowohl geltende Anforderungen als auch das operative Team stark repräsentieren.

Im Hinblick auf unsere Teams, erstellen und priorisieren Product Owner die Anforderungen an das Projekt, geben allen einen Fahrplan und unsere Entwickler:innen und Designer:innen fahren damit los. Gleichzeitig sind sie auch die Personen, die die erledigte Arbeit abnehmen und als fertiggestellt empfinden müssen.

Der Product Owner ist also wie ein Kunde für das Team und stellvertretend das Team für den Kunden. Wenn wir also die Rolle durch Mitarbeiter:innen unserer Kunden besetzen, haben wir die direkte Kommunikation ins agile Team eingebettet und sämtliche Reibungsverluste vorab beseitigt. So werden zum Beispiel Fragen an das Produkt umgehend beantwortet und die aktuelle Unternehmensplanung unserer Kunden ist stets für alle Mitwirkenden transparent. Vergleichbar mit einer kontinuierlichen Vorstellung der Produktvision, die in jedem agilen Team selbstverständlich sein sollte. Ebenso gilt aber auch hier, dass die Rolle des Product Owners regulärer Teil des Teams ist und es keine Überstellung zum jeweiligen Projektteam gibt.

Raus aus der Komfortzone

Wir wissen, dass unsere agilen Teams damit eine Komfortzone verlassen, die Mitarbeiter:innen in vielen anderen Unternehmen geboten wird. Der Abstand zur Kundenseite. Die Entwicklerteams bei sum.cumo genießen jedoch eine seltene Freiheit: Sie wirken an Projekt- und Releaseplänen zwingend mit. Die Besonderheit, dass die IT-Architektur unserer Kundenlösungen bei sum.cumo zu Hause ist, erfordert technische Beratung durch das Entwicklungsteam während der Priorisierung. Nur gemeinsam kann eine effektvolle Rangfolge der wichtigsten Anforderungen bestimmt und festgelegt werden. Entsprechend ist Abstand zu den Kunden bei sum.cumo unerwünscht und überdies nicht zielführend.

Agile Frameworks oder Coachingeinsätze erfolgen bei uns ausschließlich wertebasiert und nicht nach Leitfaden. So macht zum Beispiel die technische Beratung unsere Projektplanung intensiver, als man sie vom Scrum Guide kennt. Belohnt wird die längere Priorisierungs- und Planungsphase mit einer vergleichbar kurzen Kommunikationsschleife zu unseren Kunden. Um diesen Effekt zu erhalten, ziehen unsere Projekte gern Agile Coaching und dessen Handlungsempfehlungen hinzu.

Agiles Arbeiten mit externen Product Ownern

Solltet auch ihr den Schritt hin zu einer agilen Arbeitsweise mit kundenseitigen Productownern planen, haben wir abschließend eine Checkliste mit ersten Handlungsempfehlungen zusammengestellt:

  • Entscheidend ist das aktuelle Kooperationsverhältnis der Kundenbeziehung. Solange die agilen Leitsätze gesichert sind, können Agile Frameworks wertebasiert angepasst werden.
  • Transparente Erwartungen in den Projektteams. Um jedem Beteiligten Sicherheit und Freiraum zu geben, sollten diese zu Commitments werden.
  • Risikoabwägungen sollten in den Projektteams wiederholt und Minderungsmaßnahmen in den Projektanforderungen berücksichtigt werden.
  • Rollenschärfungen unterstützen. Die Projektstrategie gehört der Product Owner-Rolle, doch die technische Beratung und die operative Ausführung dem Rest des Teams. Das Kundenverhältnis ist als Kooperation zu sehen und sollte auch vertraglich entsprechend geregelt sein. Das schafft allen die notwendige Augenhöhe, Sicherheit und gegenseitiges Verständnis.
  • Dynamisches Agile Coaching auf beiden Seiten. Es kann sowohl bei operativen als auch strategischen Fragen eine große Hilfe sein. Agile Coaching ist in jeder Projekt- und Teamphase sinngebend und effektvoll.

Vorteile dieser besonderen Zusammenarbeit:

  • wenig bis keine Reibungsverluste
  • transparente Unternehmensplanung ihrer Kunden
  • ständige Einsicht in die Produktvision
  • Entscheidungsfreiraum
  • wertebasierte Frameworks
  • echte Kundenkooperation
  • gleichgewichtiges Verantwortungsgefühl

Aus diesen Gründen befürworten wir diesen Schritt und können die eingangs beschriebenen Fragen mit einem klaren Nein beantworten. Für uns steht fest: Das die Product Owner-Rolle auf Kundenseite eine besondere Herausforderung ist, die wir auch in Zukunft fördern und beibehalten werden.