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Reform des Online-Glücksspiels: Staatliche Lotterien müssen aufholen, um zu überleben

Das Glücksspiel ist schon seit Jahrhunderten weltweit ein beliebter Zeitvertreib. Der Traum vom schnellen Geld mit wenig Einsatz zieht Millionen von Menschen seit jeher in seinen Bann und bietet die Grundlage für eine milliardenschwere Branche. In Deutschland wachen seit vielen Jahrzehnten staatliche Anbieter über Spieler und Spielbetrieb – jedes Bundesland stellt eine eigene staatliche Lotteriegesellschaft, die quasi als Monopolist das Angebot verwaltet und sicherstellt, dass verantwortungsvoll gespielt werden kann. Ganz nebenbei werden so natürlich auch hohe Steuereinnahmen und Fördermittel für die Bundeshaushalte gesichert.

Das Internet hat die Branche grundlegend verändert. Zu dem meist auf Offline-Vertrieb zentrierten Angebot der staatlichen Anbieter gesellten sich vermehrt Online-Spielevermittler und ausländische Marktteilnehmer. Auf einmal reichte die staatliche Monopol-Stellung nicht mehr für den Erfolg - die Kunden waren begeistert von der Nutzerfreundlichkeit der Online-Plattformen, von immer wieder neuen Spielangeboten und bunten Werbekampagnen. Die schnelle Reaktion der Politik: Verbot des Online-Spiels, zurück in die heile alte Welt ohne Internet. Unter dem Vorwand der Sicherstellung von verantwortungsvollem Spiel wurden die erfolgreichen Online-Plattformen aus dem deutschen Markt gezwungen und mussten sich nunmehr auf dem internationalen Parkett beweisen.

Neue Entwicklungen für 2021

All dies liegt mittlerweile in der Vergangenheit. Die staatlichen Lotterien nutzen die Phase des Verbots, um auch online nachzurüsten. Seit 2012 ist das Internet-Spiel unter strengen Auflagen wieder erlaubt und auch die ins Ausland verbannten Marktteilnehmer kommen sukzessive nach Deutschland zurück. Ein neuer Lotterie-Staatsvertrag soll nun ab 2021 für ein ausgewogenes Gleichgewicht aus Kontrolle und Angebot sorgen.

Doch der Staat unterschätzt wieder einmal die Entwicklungsgeschwindigkeit des Internets und die Handlungsfähigkeit von unternehmerisch geführten Spielanbietern, die sich auf die Bedürfnisse ihrer Kunden perfekt eingestellt haben. Die erzwungene Internationalisierung hat viele der nicht-staatlichen Marktteilnehmer noch erfolgreicher gemacht. Die Taschen sind dank Erfolg auf dem internationalen Parkett prall gefüllt – aber noch viel wichtiger: die dort gesammelten Erfahrungen und die hohen Investitionen in Technologie ermöglichen eine konstante Weiterentwicklung der Angebote parallel zur hohen Veränderungsbereitschaft des Internets und der sich dort tummelnden Kundschaft.

Verschmelzung von Online und Offline

Wer heute erfolgreich sein will, muss Technologie nicht als Mittel zum Zweck verstehen, sondern als Daseinsberechtigung. Bedingungslose Kundenzentrierung ist der einzige Weg zum Erfolg. Es geht schon lange nicht mehr um die Aufgabenstellung, Offline-Angebote für das Internet zu übersetzen. Die Fragestellung der staatlichen Anbieter muss lauten: "Wie würde eigentlich Amazon Glücksspiel im Internet anbieten"? Dabei träumen Unternehmen wie Amazon sogar von dem unvergleichbaren Offline-Vertriebsnetz, über das staatliche Lotteriegesellschaften verfügen. Die Verschmelzung von On- und Offline muss also im Parallelflug technologisch und kulturell vorangetrieben werden.

Nur wenige staatliche Marktteilnehmer haben sich bisher ausreichend auf die aktuellen Herausforderungen und die weitere Zukunft vorbereitet. Die meisten nutzen Standard-Lösungen für den Betrieb ihres Geschäfts oder basteln an kleineren Lösungen, die mit der Wucht der Konkurrenz nicht standhalten können werden. In den Unternehmen fehlt es zum Teil an dringend notwendiger E-Commerce-Kompetenz und die alteingesessenen Dienstleister sind zu teuer oder haben keine modernen Lösungen im Angebot.

Es gibt jedoch auch Lichtblicke. Zum Beispiel Toto-Lotto Niedersachsen entwickelt seit vielen Jahren gemeinsam mit sum.cumo als Partner das Online-Geschäft und investiert in nachhaltige Veränderungen der internen Service-Bereitschaft und des Angebots für die Kunden in Niedersachsen. Rasant steigende Online-Verkaufszahlen und eine stetig modernisierte technologische Basis stellen das Unternehmen auf sichere Beine für die Zukunft.

Deutschland leistet sich also weiterhin den regionalen Betrieb des Lotteriegeschäfts. Die Zukunft wird zeigen, ob die Landesgesellschaften mit internationalen Playern konkurrieren können und ob sie der Erwartungshaltung der Kunden gerecht werden können. Dank ihres regionalen Vertriebsnetzes ist die Ausgangslage eigentlich optimal - wenn da nur das Internet nicht wäre…

Seit Jahren unterstützen wir Unternehmen der Lotteriebranche bei der Digitalisierung ihres Angebots mittels disruptiver Innovationen und kundenzentrierter Lösungen, basierend auf neuesten Technologien. Begleitet von unseren Spezialisten aus Beratung, User Experience, Front- und Backend-Entwicklung sowie Marketing entstehen erfolgreiche Projekte von der Idee bis zur Umsetzung.

Dieser Artikel ist auch als Gastbeitrag bei UNITEDNETWORKER erschienen.


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Björn Freter
Björn
Freter
#management Björn hat sum.cumo 2010 gegründet und ist einer der zwei Geschäftsführer. Er widmet sich hauptsächlich der strategischen Entwicklung des Unternehmens und der Begleitung der Partner bei Aufbau und Betrieb ihrer digitalen Geschäftsmodelle. Vor sum.cumo machte Björn seit 1996 in der Internet-Industrie Karriere (u.a. als Geschäftsleitung und Vorstand in internationalen Online-Agenturen). Große Versicherungs- und Lotterieprojekte betreut er seit 2006. Björn ist überzeugt davon, „dass sum.cumo mit seinem aktuell einzigartigen Angebot die Zielmärkte nachhaltig beeinflussen kann.“ Der ständige Veränderungs- und Wachstumsprozess der letzten Jahre wird ihn auch in Zukunft antreiben. Die Verbindung von Design und Technologie begeistert Björn nicht nur im Kontext von sum.cumo, sondern spiegelt sich auch in vielen seiner privaten Interessen wieder. Björn gab bereits zahlreiche Interviews, darunter unter anderem bei [Deutschen Startups](https://www.deutsche-startups.de/2019/03/26/startup-noch-gekuendigt/), einige Male beim [Versicherungsboten](https://www.versicherungsbote.de/id/4874004/Versicherungsmakler-Digitalisierung-Interview-Freter/), bei der [Versicherungspraxis24](https://www.versicherungspraxis24.de/wissenspool/?user_nvurlapi_pi1%5Bdid%5D=8211560&src=search&cHash=fa910785ce), zum [Podcast](https://www.sumcumo.com/unternehmen/bjoern-zu-Gast-im-Podcast), sowie bei der [Zeitschrift für Versicherungswesen](https://www.sumcumo.com/unternehmen/interview-zeitschrift-fuer-versicherungswesen). Alle Artikel von Björn