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HTML - Das Fundament des Webs

Heute, am 24. Dezember eines „besonderen“ Jahres begeben wir uns auf eine kleine Zeitreise – wagen uns aus der Welt des komponentenbasierten Entwickelns und schauen auf die Wurzel der moderen Webentwicklung: HTML.

Die „HyperText Markup Language“ befindet sich mit rund 30 Lenzen im besten Alter, bildet den semantischen Standard für Websites und, egal wie schnell die Welt des Frontends sich dreht oder welche Frameworks, Sprachen und Logiken man während der Umsetzung einer Website bzw. PWA anwendet: kompiliert wird letzen Endes noch immer eine HTML-Seite, die im Browser ausgegeben wird.

Grund genug, um sich mit der Geschichte der Auszeichnungssprache auseinanderzusetzen. Los geht’s:

1989 schlug Tim Berners-Lee, der am europäischen Institut für Teilchenphysik CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) arbeitete, ein System vor, das es Wissenschaftler:innen ermöglichen sollte, mit Hilfe elektronischer Vernetzungsmethoden Dokumente miteinander auszutauschen. Tims Idee ist heute als World Wide Web bekannt.

Um eine gemeinsame Nutzung zu ermöglichen, musste eine einheitliche Methode zu ihrer Codierung entwickelt werden. Er schlug vor, dass diese auf der bereits existierenden SGML (Standard Generalized Markup Language) basieren sollte, einer komplexen, technischen Spezifikation, die Auszeichnungssprachen beschreibt.

HTML wurde ursprünglich geschaffen, um auch denjenigen, die nicht auf SGML spezialisiert waren, die Veröffentlichung und den Austausch wissenschaftlicher und anderer technischer Dokumente zu ermöglichen. HTML erleichterte diesen Austausch insbesondere durch die Möglichkeit, Dokumente elektronisch über Hyperlinks zu verknüpfen – so ergab sich der Name Hypertext Markup Language.

HTML von Version 1.0 bis 5.0
Am 20. Dezember 1990 stellte Tim Berners-Lee die erste Website online: http://info.cern.ch/hypertext/WWW/TheProject.html

Es gab in der ersten HTML-Version lediglich 18 Tags:

<title>, <nextid>, <a>, <isindex>, <plaintext>, <listing>,
<p>, <h1>…<h6>, <hp1>...<hp6> <address>,
<dl>, <dt>, <dd>, <ul>, <li>, <menu>,<dir>.

1991 schaffte es HTML 1.0 als eine Hybridversion von SGML, einer Auszeichnungssprache die auch über Hyperlinks verfügte, den Sprung in die IT Welt. 

1992, als es gerade einmal 50 Webserver auf der Welt gab, veröffentlichte das CERN den ersten Webbrowser zum Datenaustausch. Marc Andreesen setzte auf diese Idee auf und entwickelte 1993 einen Browser namens Mosaic, der 1993 veröffentlicht wurde. Kurz darauf verließ er seinen Arbeitgeber, um Netscape zu gründen. Die erste Version des Netscape-Browsers implementierte HTML 1.0.

1994 wurde HTML 2.0 der erste offizielle Standardsatz für HTML – an diesem wurden sämtliche Browser gemessen. Diese Version brachte zusätzliche Formate und Funktionen (wie z. B. Inline-Bilder), aber auch ein paar einfachere Methoden zur Formatierung von Inhalten, was eigentlich dem Konzept von HTML zuwiderlief.

Ab 1996 unterstützte HTML auch Tabellen, was eine bessere Kontrolle über die Darstellung von tabellarischen Informationen ermöglichte (in den folgenden Jahren werden findige Entwickler Tabellen nutzen und unendlich tief ineinander verschachteln um Inhalte gridähnlich anzuordnen). Es gibt nun auch "Image Maps", die es ermöglichen, Bildbereiche mit Hyperlinks zu versehen. Die erste CSS-Spezifikation wurde zur offiziellen W3C-Empfehlung, aber erst 3 Jahre später erfolgte die Implementierung dieser Spezifikation in allen Browsern.

1997 wurde HTML 3.2 – Codename WILBUR – inmitten des Browserkriegs zwischen IE und Netscape verabschiedet. Allmählich wurden Stimmen lauter, dass HTML für die Organisation - nicht für das Styling - von Dokumenten erschaffen wurde. Es war die Zeit des Einsatzes von Frames in Webseiten, der automatisch abspielenden Sound-Dateien und der „unsichtbaren Tabellen“, welche als Grid-System missbraucht wurden. Die wilden 90er eben.

1998 war Cougar der Codename für das, was HTML 4.0 wurde. Nach neun Jahren des Feinschliffs wird HTML 4.1 Ende 2007 zum Standard. Diese Version enthält erstmals die konkrete Empfehlung für Cascading Style Sheets (CSS). Das ermöglicht vor allem die Trennung von Inhalten (HTML) und Design (CSS).

Im Jahr 2000 schlossen sich HTML und XML zu XHTML zusammen. Die starre Codestruktur von XML wurde aufgegriffen, um saubereren Code zu erzwingen. Obwohl das strenge XML zu Grunde lag, verziehen die meisten Browser Fehler und erlaubten die Darstellung von unsauberem Code, Versalien und unsachgemäß geschlossenen Tags. Das erschwerte die Durchsetzung des XHTML als Standard.

Zwei Jahre nach der Jahrtausendwende wurden viele kritisch gegenüber den unsauberen Codierungspraktiken und die Idee des tabellenlosen Designs begann zu wachsen. Der Begriff "tabellenloses Design" impliziert die Verwendung von CSS anstelle von Layout-Tabellen zur Positionierung von HTML-Elementen im Web. HTML-Tabellen haben nach wie vor ihre Berechtigung, wenn sie - semantisch korrekt - zur Darstellung tabellarischer Informationen dienen.

Das Web 2.0 war geboren! Sowohl Blogs als auch RSS Feeds erlebten den Zenit ihrer Beliebtheit.

2005 ermöglichte Ajax durch das asynchrone Laden von CSS, DOM und JS ein schnelleres sowie dynamischeres Laden von Seiteninhalten. Durch den Performance-Schub wurde die User Expierence extrem verbessert und komplexe Inhalte wie Videos konnten leichter und öfter implementiert werden.

Bereits 2004 bildete sich die Web Hypertext Application Technology (WHAT) Work Group mit Mitgliedern von Apple, Mozilla und Opera, die unzufrieden mit der mangelnden Flexibilität des XHTML waren. Die Mitglieder veröffentlichten 2008 den ersten HTML5-Entwurf. 2009 löste sich das XHTML-Entwicklungsteam auf und schloss sich dem HTML5-Lager an.

Der HTML5 Standard umfasst 110 Tags. 10 Tags sind von der ersten Version der Auszeichnungssprache erhalten geblieben. HTML5 legt wert auf Einfachheit, Semantik und Device-Unabhängigkeit. Seit 2014 ist die fünfte Version von HTML als Standard empfohlen.

Eine spannende Reise, die noch immer andauert. Der derzeitige Standard gilt als „lebende Dokumentation“ und so wird der Übergang zur neuen Version HTML6 ein weicher sein: viele kleine Schritte, statt eines großen Sprungs.

Aber nach 2020, mit all seinen Überraschungen, sind ein paar kleinere, vorhersehbare Neuerungen doch auch ganz angenehm.